Schiller und Kvothe

 

"Jetzt gib mir einen Menschen, gute Vorsicht -
Du hast mir viel gegeben. Schenke mir
Jetzt einen Menschen. Du - du bist allein,
Denn deine Augen prüfen das Verborgne,
Ich bitte dich um einen Freund, denn ich
Bin nicht wie du allwissend. Die Gehülfen,
Die du mir zugeordnet hast, was sie
Mir sind, weißt du. Was sie verdienen; haben
Sie mir gegolten. Ihre zahmen Laster,
Beherrscht vom Zaume, dienen meinen Zwecken
Wie deine Wetter reinigen die Welt.
Ich brauche Wahrheit - Ihre stille Quelle
Im dunklen Schutt des Irrtums aufzugraben,
Ist nicht das Los des Könige. Gib mir
Den seltnen Mann mit reinem, offnem Herzen,
Mit hellem Geist und unbefangnen Augen,
Der mir sie finden helfen kann - ich schütte
Die Lose auf; lass unter Tausenden,
Die um die Hoheit Sonnenscheibe flattern,
Den Einzigen mich finden."

aus "Don Karlos" v. Friedrich Schiller, 3. Akt, 5. Auftritt

 

Die erste Zeile dieses Monologs geht mir ständig durch den Kopf.

Zum einen, weil in Marburg überall Plakate zum "Don Karlos" hängen. Und auf allen steht "Ich brauche Wahrheit". 
Klar wer braucht die nicht.

Zum anderen, weil wir in dem Geschichtsseminar über Karl V. reden... Der ja auch irgendwie mit der Figur Schillers zusammenhängt, fragt mich nicht wie genau.

Und außerdem, weil es nunmal so ist, dass man sich im Herbst irgendwie ein bisschen einsam fühlt.

 

Irgendwie ist das einfach schon immer so gewesen, im Sommer hat man viel Zeit und bei dem guten Wetter ist man fast immer voller Tatendrang und irgendwie immer beschäftigt.

Bei kaltem Wetter, wenn der Ernst des Lebens wieder anfängt und man einfach immer irgendwas wichtiges erledigen muss, geht vieles von der Unbeschwertheit des Sommers verloren.

Hinzu kommen die ganzen seltsamen Dinge, die man in den letzten Wochen getan hat und die man nun in Ruhe durchdenken kann. Da ist einiges nicht so elegant abgelaufen, ich merke erst jetzt, dass ich viele dumme Sachen gesagt und getan habe - das war vorher immer alles nicht so wichtig.

Wenn man jetzt ein wenig Abstand hat, sieht manches weniger toll und vieles eindeutig schlimmer aus. 

Zum Glück lässt sich manches wieder gerade richten, auch wenn sicherlich einiges als hässlicher Fleck das Leben trübt. Aber man kann ja lernen, nicht so genau hin zu sehen.

Also, Apell an mich selbst: mehr denken, weniger reden; und dann beim reden darauf achten, mit wem man redet. Außerdem mit Menschen reden, gegenüber denen man zu lange geschwiegen hat, obwohl die Worte doch immer da waren, und man nur nicht den Mut oder die Courage hatte, sie auszusprechen.

Niemand erwartet vom Jahr, dass es genauso endet wie es angefangen hat. Und ich will verdammt sein, wenn ich mir das wünschen würde! Doch ich glaube nicht, dass ich die Dinge einfach auf sich beruhen lassen will, nur um mich später drüber zu ärgern.

 

Ehrlich: ich glaube nicht, dass ich mich traue, einen Schritt ihm entgegen zu gehen. Klar waren wir lange beste Freunde, doch gerade deswegen weiß ich um seine Fähigkeit, andere Menschen besonders tief und besonders schmerzhaft zu treffen, Und ich weiß nicht ob ich dann nicht aus Schmerz oder Zorn etwas sagen könnte, was alles nur noch schlimmer macht. Denn aus irgendeinem Grund gibt es kaum einen Mensch, bei dem ich schneller die Beherrschung verliere.

 

"'Mein Großvater hat immer gesagt, der
Hernst sei die richtige Zeit, um etwas mit der Wurzel auszureißen,
von dem man nicht will, dass es wieder nachwächst und einem Sche-
rereien bereitet.' Kote ahmte die zitternde Stimme eines alten Man-
nes nach. 'Im Frühling stehen die Dinge zu sehr voll Lebenssaft. Im
Sommer sind sie zu kräftig und geben nicht nach. Der Herbst...' Er
sah sich zu dem bunten Laub der Bäume um. 'Der Herbst ist die rich-
tige Zeit. Im Herbst ist alles müde und bereit zu sterben.'"

 

aus "Der Name des Windes" v. Patrick Rothfuss, S. 51

 

 

30.10.11 16:08

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Gerik (30.10.11 22:39)
Meine liebste Deutschgelehrte und -lehrende Ich denke, dass ich mir deine Worte zu Herzen nehmen werde, wie einiges aus den letzten Tagen, und den Rat eines Mannes beherzigen will, der darauf wartet zu sterben.
Man merkt einfach, dass ich Schiller nicht mag... und Rothfuss ein ganz bisschen anbete. Aber nur ein bisschen
Nahezu wie immer wünsche ich dir alles Gute und würde dir gerne helfen, schätze doch, dass es nicht in meiner Macht steht oder gar gewollt ist.

Alles Liebe
Chris

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